CuraViva Weiterbildung: Empathie-Training

CuraViva Weiterbildung

Muss man selbst achtzig sein, um zu verstehen, welche Schwierigkeiten ein alter Mensch im Leben hat? Nein. Der Alterserforschungsanzug «AgeMan» lässt junge Pflegende erfahren, mit welchen funktionellen und sensorischen Schwierigkeiten Menschen im Alter täglich konfrontiert sind.
Foto: CuraViva

Von Anne-Marie Nicole (erschienen in der CuraViva Fachzeitschrift, März 2015 unter dem Titel: So fühlt es sich an, alt zu sein) «Auf einen Schlag fühle ich mich fünfzig Jahre älter!», sagt Danièle. «Ich will nicht alt werden», seufzt Rosette. «Das sind nicht gerade rosige Aussichten», bekräftigt Clara. «Das Schlimmste ist, die Sinne zu verlieren: den Tastsinn, das Gehör, das Sehvermögen», stellt Benoît fest. Die vier jungen Menschen gehören zum Pflegepersonal der Altersresidenz «Jardins de la Plaine», zu der ein Pflegeheim sowie altersgerechte Wohnungen in Yverdon VD gehören. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen probieren sie gerade den AgeMan, um die funktionellen und sensorischen Defizite und Einschränkungen besser verstehen zu lernen, die mit dem Älterwerden einhergehen.

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Das Gewicht der Jahre soll erfahrbar werden. Foto: Curaviva

«Zu wissen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner, die wir bei uns aufnehmen, verschiedene Umstellungen in Kauf nehmen müssen, mit Einschränkungen und Behinderungen zu kämpfen haben, ist das eine. Etwas anderes ist es, diese Umstellungen und Behinderungen am eigenen Leib zu erfahren!», erklärt Sandrine Heuls, die Leiterin der Altersresidenz «Jardins de la Plaine». «Aufstehen, sich anziehen, zuhören, etwas anschauen – mit welchen Anstrengungen sind diese Handlungen ab einem gewissen Alter verbunden!»

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Sich ins Bett legen im AgeMan Anzug: Die Biegsamkeit der Glieder hat spürbar abgenommen. Foto: CuraViva

Um dafür ein Bewusstsein zu schaffen, hat Sandrine Heuls beschlossen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Abteilungen, inklusive der Nachtwache, die Möglichkeit der Weiterbildung zu geben und sich in hochbetagte Menschen, die sie in ihrem Berufsalltag begleiten, hineinzuversetzen. Bis Ende März können die rund 150 Angestellten in kleinen Gruppen von 6 bis 8 Personen den von Curaviva (Weiterbildung) zur Verfügung gestellten Alterserforschungsanzug testen. Ein zuvor dafür geschultes Kadermitglied leitet sie dabei an. «Ziel ist es, das gesamte Personal zu sensibilisieren und Anstoss zu geben zu Überlegungen über unser berufliches Verhalten und über die Art und Weise, wie wir mit Menschen in einer Abhängigkeitssituation umgehen», präzisiert Sandrine Heuls.

Weiterbildung auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse

Der Alterserforschungsanzug wurde vom Meyer-Hentschel Institut (Zürich/ Saarbrücken) konzipiert, das seine Forschungsarbeiten seit dreissig Jahren auf die demografische Alterung fokussiert, insbesondere auf die Ansprüche und Bedürfnisse der alternden Babyboomer-Generation.  Weiterlesen: Download des Beitrags